Willingen. Den höchsten Berg der Erde zu besteigen, bleibt für die meisten Menschen ein Traum. Doch die 8.848 Höhenmeter des Mount Everest lassen sich auch ohne Expedition zumindest symbolisch bewältigen. Dieser Herausforderung stellte sich Daniel Sack beim Extremlauf „ALPIN8-Everesting“ im österreichischen Brandnertal. Der 48-Jährige ging dabei an seine körperlichen und mentalen Grenzen – mit allen Höhen und Tiefen.
Everest-Gefühl in den Alpen: Sauerländer stellt sich Extrem-Challenge
Schon seit 2014 wandert der Upländer Daniel Sack mit großer Leidenschaft. Dass er nun am „ALPIN8-Everesting“ teilnahm, sei Zufall gewesen. Ein Zufall, den er im Nachhinein jedoch nicht bereut. Im Gegenteil: Nicht nur er blickt begeistert auf das Extremlaufevent zurück, auch seine Tochter hat Gefallen an der besonderen Challenge gefunden.
Doch was ist das „ALPIN8-Everesting“ überhaupt? Ziel ist es, innerhalb von 34 Stunden insgesamt 8.848 Höhenmeter zu Fuß zurückzulegen. Dafür absolvieren die Teilnehmer einen Wanderweg mit 538 Höhenmetern insgesamt 17-mal bergauf und legen dabei rund 68 Kilometer zurück. Die Strecke führt tagsüber (3,7 Kilometer) entlang eines Gebirgsbachs mit Wasserfällen, in der Nacht über einen geschotterten Fahrweg (4 Kilometer).
Bergab geht es nach jedem Aufstieg mit der Palüdbahn zurück ins Tal, die eigens für die Veranstaltung 34 Stunden ohne Unterbrechung in Betrieb ist. Für Daniel Sack war es eine ganz neue Möglichkeit, seine Passion für das Wandern zu erleben: „Normalerweise mache ich eher Langstreckenwanderungen von 40 bis 100 Kilometern“, betont er im Gespräch mit dem SauerlandKurier.
Eine unbekannte Aufgabe bedarf selbstredend besonderer Vorbereitung, und so bereitete er sich ein Jahr auf diese außergewöhnliche Herausforderung vor. Wichtige Bausteine seines Trainings waren unter anderem die Wanderungen und die Teilnahme am Uplandsteig-Wandermarathon beim UGV Willingen sowie zahlreiche Trainingseinheiten am Ettelsberg.
Familie als größte Motivation
Das Sportevent, das sich deutlich von allem unterschied, was Sack bisher ausprobiert hatte, verlangte ihm einiges ab. Denn es ging immer nur bergauf. „Das war eine ganz andere Belastung als Langstreckentouren, bei denen es ebene Wege und Abstiege gibt.“ Doch nicht nur die körperliche Vorbereitung war entscheidend. Während der gesamten Veranstaltung unterstützten Familie und Freunde Daniel Sack. Seine Frau sowie die Töchter begleiteten ihn auf mehreren Aufstiegen und sorgten immer wieder für neue Motivation. Auch Familienhund Bifi war mit dabei. „Die Strecke war ganz normal geöffnet, daher war es für meine Familie möglich, mich zu begleiten. Meine Frau ist dreimal mit hochgelaufen, meine kleine Tochter einmal und meine große Tochter fünfmal.“
Tatkräftigen Support erhielt Daniel Sack außerdem von Freunden und einem weiteren Vierbeiner: Hund Meilo. Mit Pizza, Süßigkeiten, Musik und motivierenden Worten halfen sie ihm durch die anstrengenden Nachtstunden. „Ich war zwischendurch kurz davor, aufzugeben. Mir war richtig schlecht. Aber ich dachte mir dann: ,Komm, trink eine Cola und iss etwas Weingummi.‘ Vermutlich lag meine Erschöpfung an einem Zuckermangel.“ Von diesem Tief erholte er sich jedoch schnell. An Aufgeben war nicht mehr zu denken: „Ich fragte in die Runde, wer mitkommen möchte, und meine Frau unterstützte mich dann beim nächsten Aufstieg“, erinnert er sich dankbar.
Nach 30 Stunden, 17 Aufstiegen und insgesamt 8.848 überwundenen Höhenmetern erreichte der passionierte Sportler schließlich das Ziel. Für den Upländer stand dabei nicht der Wettbewerb im Vordergrund, sondern das persönliche Abenteuer. Denn „ALPIN8“ ist kein Rennen gegen andere – sondern gegen die eigenen Grenzen. „Ich wollte das einfach schaffen. Das hat mich motiviert.“ Die Unterstützung seiner Familie und Freunde bezeichnet er dabei als „Motivationslokomotive“ – unerlässlich bei der harten Challenge: „Ohne meine Familie, meine Freunde und meine Unterstützer hätte ich diese Herausforderung nicht geschafft. Dieser Erfolg gehört uns allen.“
Der erfolgreiche Abschluss zeigt, welche Rolle konsequente Vorbereitung, Willensstärke, Ausdauer und die Unterstützung des persönlichen Umfelds bei einer solchen Herausforderung spielen. Seinen persönlichen Mount Everest bezwang der Upländer zwar nicht im Himalaja, sondern in den Alpen – die Erinnerung bleibt für ihn aber dennoch unvergessen.
Das ist seine nächste Herausforderung
Und wie geht es weiter? Das nächste Vorhaben wartet bereits am Edersee auf den 48-Jährigen. Und kann sich der Extremwanderer eine erneute Teilnahme beim „ALPIN8-Everesting“ vorstellen? Darauf hat er eine klare Antwort: „Ich möchte auf jeden Fall nochmals teilnehmen – entweder nächstes Jahr oder in zwei Jahren, wenn meine Tochter 18 Jahre alt ist und selbst starten darf. Dieses Jahr hat sie schon richtig Blut geleckt“, sagt Daniel Sack abschließend voller Stolz und Ehrgeiz.

Nach 17 Aufstiegen und insgesamt 8.848 überwundenen Höhenmetern war das Ziel nach 30 Stunden erreicht.
Foto: UGV Willinge
