Sommerradtour 2026 macht Zukunftsprojekte erlebbar

artikelbild regionalesWinterberg/Essen. Im Rahmen der ersten Etappe seiner diesjährigen Sommerradtour hat der Ruhrverband heute sein Programm zur Modernisierung der wassergütewirtschaftlichen Infrastruktur vorgestellt. Bis zum Jahr 2040 wird der Verband seine Investitionen in die Erneuerung und den Ausbau der Anlagen zur Abwasserreinigung deutlich erhöhen und seine Kläranlagenstruktur zukunftsfähig weiterentwickeln. Ein konkretes Beispiel für diesen Weg ist die geplante Anbindung der Kläranlage Winterberg-Niedersfeld an die Kläranlage Bestwig-Velmede – eines der Projekte, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerradtour vor Ort kennenlernen konnten.

Mit dem Abschluss eines Investitionsprogramms von rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2005 begann für den Ruhrverband eine Phase der Konsolidierung. Entschuldung, Betriebsoptimierungen, Personalanpassungen, gezielte Reinvestitionen sowie der Ausbau der Eigenenergieerzeugung haben die wirtschaftliche Basis des Verbandes nachhaltig gestärkt. Diese Entwicklung schafft nun die Voraussetzungen für eine neue Phase des Aufbruchs.

Die meisten Kläranlagen des Ruhrverbands sind heute zwischen 25 und 35 Jahre alt und erreichen damit eine Phase, in der umfangreiche Erneuerungsinvestitionen erforderlich werden. Ziel ist es, die hohe Leistungsfähigkeit der mechanischen und biologischen Abwasserreinigung sowie der Klärschlammverwertung dauerhaft zu sichern und gleichzeitig weitere Effizienzpotenziale zu erschließen.

Hinzu kommen neue gesetzliche Anforderungen an die kommunale Abwasserreinigung, die sich unter anderem aus der neuen Kommunalabwasserrichtlinie der EU oder der Klärschlammverordnung ergeben. Dazu zählen unter anderem der Ausbau der Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination, die Phosphor-Rückgewinnung sowie innovative Verfahren der Klärschlammbehandlung. Diese Entwicklungen eröffnen erhebliche Chancen für technische Innovationen und wirtschaftliche Synergien. Gleichzeitig bestehen insbesondere hinsichtlich der Finanzierung noch Unsicherheiten.

Um die anstehenden Aufgaben bewältigen zu können, baut der Ruhrverband seine internen Kompetenzen gezielt aus und entwickelt derzeit eine langfristige Asset-Strategie bis zum Jahr 2040. Sie soll die Erneuerung der Infrastruktur planbar gestalten und Investitionen langfristig steuern. Der jährliche Investitionsbedarf wird dabei von derzeit rund 50 bis 60 Millionen Euro auf künftig etwa 100 bis 130 Millionen Euro ansteigen.

Ein wesentlicher Baustein der Strategie ist die Weiterentwicklung der Kläranlagenstandorte. Bis 2040 soll die Zahl der vom Ruhrverband betriebenen Kläranlagen von derzeit 67 auf rund 50 reduziert werden. Größere, leistungsfähigere Anlagen können wirtschaftlicher betrieben und zugleich mit moderner Reinigungstechnik ausgestattet werden. Dadurch lässt sich insbesondere der Gewässerschutz an kleineren und empfindlichen Fließgewässern weiter verbessern.

„Die Solidargemeinschaft unserer Mitglieder hat den Ruhrverband bereits in der Vergangenheit getragen und wird auch die bevorstehenden Investitionen ermöglichen. Unser Ziel ist es, den Gewässerschutz langfristig auf hohem Niveau zu sichern und die Beitragsentwicklung dabei verantwortungsvoll und ausgewogen zu gestalten“, betont Prof. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands.

Ein Beispiel für die Umsetzung dieser Strategie ist die geplante Aufgabe der Kläranlage Winterberg-Niedersfeld. Künftig soll das dort anfallende Abwasser zur Kläranlage Bestwig-Velmede geleitet und dort gereinigt werden. Hierfür ist der Bau eines Anschlusskanals erforderlich. Ein erster rund 900 Meter langer Leitungsabschnitt zwischen der Kläranlage Winterberg-Niedersfeld und Haus Wildenstein wird derzeit gebaut. Die Arbeiten konnten mit der Sanierung des RuhrtalRadwegs kombiniert werden, wodurch vorhandene Synergien genutzt werden. Der weitere Verlauf der Leitung befindet sich derzeit in der Planung. Vor der vollständigen Anbindung sind umfangreiche Maßnahmen im Einzugsgebiet der Kläranlage Bestwig-Velmede erforderlich. Dazu gehören unter anderem die Reduzierung von Fremdwasser, die Erweiterung bestehender Kanalquerschnitte sowie die vollständige Neuaufstellung der integralen Entwässerungsplanung einschließlich einer Schmutzfrachtmodellierung. Aufgrund der Größe des Einzugsgebietes kann künftig auch eine optimierte Kanalnetzbewirtschaftung einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz leisten.

Parallel plant der Ruhrverband die Erneuerung und den Ausbau der Kläranlage Bestwig-Velmede um eine vierte Reinigungsstufe. Dabei wird die künftig zusätzlich anfallende Abwassermenge aus Winterberg bereits berücksichtigt. Mit diesem Projekt verbindet der Verband die Modernisierung seiner Infrastruktur mit den Anforderungen eines zukunftsfähigen und leistungsstarken Gewässerschutzes.

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Die erste Etappe der Sommerradtour machte Zukunftsprojekte des Ruhrverbands erlebbar. Mit dabei waren (v. r.): Prof. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands; Christoph Rosenau, Bürgermeister Bestwig; Michael Beckmann, Bürgermeister Winterberg; Matthias Kerkhoff, MdL, Parlamentarische CDU-Fraktion; Ilka Strube, Regionalbereichsleiterin Nord des Ruhrverbands; Patrick Potthoff, Bürgermeister Olsberg; Dr. Jan Ruppelt, Geschäftsbereichsleiter Technische Dienste des Ruhrverbands; Thomas Weber, stellv. Regionalbereichsleiter Nord des Ruhrverbands; Klaus-Peter Teipel, Gemeinde Möhnesee; Markus Rüdel, Pressesprecher des Ruhrverbands.

Foto: Ruhrverband