Highland Games 2026: Historischer Rekord und dramatische Duelle

artikelbild regionalesCanstein. Die Neulinge stahlen den Routiniers beinahe die Show – aber das waren nicht die einzigen Überraschungen bei den Highland Games am Wochenende 27.-28.06.2026 in Canstein. 16 Herren- und sechs Damenteams wetteiferten um den begehrten Wanderpokal. Bei den Frauen konnte der Clan Ladies Mc Squirrel aus Helmighausen diesen gleich wieder mitnehmen; zum vierten Mal in Folge waren sie das beste Team.

Spannende Wettkämpfe um den Pokal

Gleich dahinter positionierten sich jedoch mit The Tooth Fighters aus Bad Arolsen und The She Wolves aus Massenhausen zwei Clans, die zum ersten Mal dabei waren. Auch bei den Männern hatte ein „alter Bekannter“ die Nase vorn: Der Clan Alte Wildsau aus Marsberg hatte bereits 2023 schon einmal den Sieg – und damit den Pokal – davongetragen. Die zweitbeste Punktzahl erreichten die Horhusen Highlander, ebenfalls aus Marsberg. Der Vorjahressieger, die Mc RoughNecks aus Peckelsheim kamen auf den dritten Platz.

Sechs verschiedene Disziplinen, die jedes Jahr anders zusammengestellt werden, waren von den Clans zu meistern. Zunächst war da das obligatorische „Tossing the Caber“, bei dem ein massiver, langer Baumstamm mit Überschlag in einem bestimmten Feld landen muss. Zusätzliche Punkte gibt es, wenn man einen besonders schweren Stamm auswählt.

Beim „Caberwalk“ gilt es, schnellstmöglichst einen Baumstamm durch einen Slalomparcours zu tragen. „Haggis Hurling“ ist eine Weitwurfdisziplin mit einem gefüllten Sack; wie der Name schon sagt, waren die Säcke ursprünglich mit dem berühmten schottischen Gericht Haggis gefüllt. Eine besondere Schikane ist, dass der Abwurf auf einem Bein stehend erfolgt.

Auch bei der nächsten Station, den „Flying Blades“ ging es um eine ausgefeilte Wurftechnik. Hier war die große Herausforderung, dass die geworfene Axt in der Zielscheibe steckenblieb. Beliebt und immer mit großer Spannung verfolgt, ist „Tug-O-War“, das Tauziehen. „Stem Man“ war neu in die Auswahl aufgenommen worden. Hier muss ein 20-Kilo-Sack (bei den Frauen 10 Kilo) über Kopf gestemmt und möglichst lange gehalten werden. Das gesamte, fünfköpfige Team feuerte hierbei nicht nur an, sondern sorgte bei dieser schweißtreibenden Tätigkeit mit Fächern und Sprühflaschen dafür, dass die eigenen Spieler durchhielten.

Hitze und starke Nerven

Viele Veranstaltungen waren aufgrund der erwarteten Hitze abgesagt worden, doch was ein echter Highlander ist, der schreckt vor nichts zurück. Verantwortungslos waren die Organisatoren dennoch nicht. Mit zahlreichen Maßnahmen zur Abkühlung, wie Wasserbassins, Sprühfontänen und zusätzlichen Pavillons zum Schutz vor der Sonne hatten sie bestmöglich vorgesorgt.

Dennoch wären die Spiele fast ins Wasser gefallen – und diese Redewendung ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn just zum Beginn der Wettkämpfe baute sich eine bedrohliche Gewitterzelle auf. Die Temperaturen fielen binnen Minuten um rund zehn Grad. Beim Einmarsch der Clans dann die ersten Tropfen; letztendlich streifte das Unwetter Canstein jedoch nur am Rande und tobte sich dafür in den Nachbardörfern Leitmar und Giershagen aus.

Sicherheitskonzept geht auf

Die Appelle der Veranstalter, sich beim Alkoholkonsum während der Wettkämpfe etwas zurückzuhalten, fanden offensichtlich Gehör und es wurde weit mehr Wasser als Bier getrunken. Auch die Whiskybar öffnete vorsorglich erst später. Als sich dann im Laufe des Nachmittags herumsprach, dass im übrigen Marsberg „Land unter“ war, wurde nochmals zu besonderer Vorsicht aufgerufen, um die Rettungskräfte nicht zusätzlich zu belasten. So konnten die Organisatoren vom SC Canstein am Ende erfreut vermelden, dass während der gesamten Veranstaltung weder der Sanitätsdienst noch der ärztliche Notdienst in Anspruch genommen werden musste.

Ungeachtet der klimatischen Herausforderungen gelang bei den nunmehr zwölften Highland Games eine historische Höchstleistung: Erstmals ist einem Clanmitglied das gelungen, was lange als nahezu unmöglich galt: Alexander Legge von den Mc RoughNecks brachte den sechs Meter langen und 60 Kilogramm schweren Baumstamm beim „Tossing the Caber“ tatsächlich zum vollständigen Überschlag – und sicherte sich damit die maximale Punktzahl. Der Baumstamm selbst überstand diesen Rekord allerdings nicht und musste seinen Dienst quittieren. Für die kommenden Highland Games wird daher ein neuer Stamm beschafft. Zur Erinnerung an diesen bisher einmaligen Moment wird der Name von Alexander Legge in den neuen Baumstamm eingraviert – als erstes Clanmitglied, dem dieses Kunststück gelungen ist.

Festival-Stimmung mit Musik und guter Laune

Insgesamt fünf Bands sorgten bei der zweitägigen Veranstaltung für Festival-Feeling. Zur Eröffnung am Freitagabend spielten „The Pride of Scotland Pipes & Drums“ aus Altenbeken und „Oak Wood Paddys“ aus Arnsberg auf. Die „Highland Dragon Pipe Band“ aus Ostwestfalen-Lippe begleitete am Samstag den Einmarsch und die Spiele. „In Search of a Rose“ aus Lemgo ließ vor und nach der Siegerehrung die Athleten alle Anstrengungen vergessen, schnell fanden sich die ersten vor der Bühne ein, um abzutanzen. Abschließend heizten die „Red Cups“ ein.KRISTIN SENS

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Ein Highlight der Veranstaltung: das Tauziehen

Foto: Kristin Sens