Pharma Deutschland Gesundheitsmonitor 2026

artikelbild regionalesDeutschland hinkt bei der Gesundheitsvorsorge im internationalen Vergleich hinterher und selbst die bestehenden Angebote werden von der Bevölkerung nur mäßig angenommen. Das zeigt der neue Gesundheitsmonitor 2026 von Pharma Deutschland, für den das Meinungsforschungsinstitut Civey rund 5.000 Menschen repräsentativ befragt hat.

Besonders auffällig: Apotheken als niedrigschwellige, wohnortnahe Anlaufstellen für Prävention werden zu wenig genutzt – gerade einmal 3,1 Prozent der Befragten haben dort in den vergangenen zwei Jahren ein Angebot wie etwa Blutdruckmessung wahrgenommen. Dabei bieten Apotheken schon heute gute pharmazeutische Dienstleistungen zur Früherkennung an, und mit der im Dezember 2025 vom Bundeskabinett beschlossenen Apothekenreform werden ihre Möglichkeiten noch erheblich ausgeweitet. Doch der Gesundheitsmonitor belegt: Das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass die niedrigschwelligen Angebote da sind, ist noch steigerungsfähig.

Während klassische Angebote wie Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt (58,7 Prozent) und Impfungen (61,3 Prozent) von der Mehrheit genutzt werden, werden niedrigschwelligere Vorsorgeangebote deutlich weniger genutzt. Digitale Gesundheits-Apps nutzen 6,5 Prozent der Befragten. Bei Ernährungsberatung sind es 5,7 Prozent, bei zertifizierte Sport-Präventionskursen sogar nur 5,3 Prozent.

19,8 Prozent der Menschen geben sogar an, in den vergangenen zwei Jahren überhaupt keines der abgefragten Vorsorgeangebote genutzt zu haben. Besonders stark ist dieser Anteil bei den 40 bis 49-jährigen (28,6 Prozent), bei Arbeitnehmern in körperlichen Berufen (30,9 Prozent) und bei ledigen Personen (30,6 Prozent).

Auch regional zeigen sich Unterschiede. In Sachsen haben nur 47,1 Prozent der Befragten Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen – in Schleswig-Holstein sind es 60,4 Prozent. Die Impfquote ist in – Sachsen mit 49,8 Prozent vergleichsweise niedrig, in den Stadtstaaten Berlin (66,1 Prozent) und Bremen (64,4 Prozent) dagegen überdurchschnittlich hoch. Zudem nutzen höher qualifizierte Menschen mit Studienabschluss messbar häufiger Vorsorgeangebote (64,2 Prozent bei Untersuchungen, 65,4 Prozent bei Impfungen) als Menschen mit Berufsausbildung (55,9 bzw. 58,2 Prozent).

Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, ordnet die Ergebnisse ein: „Bei der niedrigschwelligen Vorsorge hinken wir international hinterher – und das doppelt: Die deutsche Präventionsinfrastruktur ist im europäischen Vergleich unterentwickelt und unsere Umfrageergebnisse zeigen, dass selbst die bestehenden Angebote von einem Fünftel der Bevölkerung gar nicht angenommen werden. In den aktuellen Gesetzgebungsverfahren wie zum Beispiel der Apothekenreform finden sich gute Ansätze, um die Prävention stärker dort anzubieten, wo die Menschen im Alltag ohnehin sind: in der Apotheke um die Ecke oder bei digitalen Angeboten. Jede Chance, die Gesundheitsprävention zu stärken, sollte genutzt werden. Dabei helfen echte Anreize, verständliche Aufklärung und niederschwellige Angebote.“