Lüdenscheid. Die neue A45-Brücke wird am Montag, 22. Dezember 2025, feierlich eröffnet – nach einer Bauzeit im Rekordtempo, der bundesweit als außergewöhnliche Ingenieurs- und Organisationsleistung gilt. Nur rund vier Jahre nach der überraschenden Sperrung der maroden Rahmedetalbrücke steht nun ein modernes, leistungsfähiges Bauwerk bereit, das Südwestfalen wieder durchgängig erreichbar macht. Für die Menschen und Unternehmen der Region bedeutet dies vor allem eines: Aufatmen nach einer langen, herausfordernden Zeit. Südwestfalen will bei der Eröffnung mit einem speziell designten Lkw ein Zeichen setzen.
Der Neubau der Rahmedetalbrücke zählt zu den schnellsten und komplexesten Infrastrukturprojekten dieser Größenordnung in Deutschland. Planung, Abriss und Neubau wurden in ungewöhnlich kurzer Zeit umgesetzt – ein Ergebnis der engen Zusammenarbeit von Behörden, Ingenieurinnen und Ingenieuren, Bauunternehmen und politischen Entscheidungsträgern. Die Region wertet dieses Tempo als Beweis dafür, dass große Infrastrukturprojekte in Deutschland möglich sind, wenn Prozesse gut aufgesetzt und Entscheidungen konsequent getroffen werden.
Vier Jahre Einschränkungen: Belastung für Menschen, Unternehmen und ganze Wertschöpfungsketten
Die Sperrung der Autobahnbrücke bei Lüdenscheid im Jahr 2021 hatte für Südwestfalen als eine der Top-Industrieregionen Deutschlands und als industriestärkste Region Nordrhein-Westfalens gravierende Folgen. Schließlich entstehen rund 40 Prozent der regionalen Wertschöpfung im produzierenden Gewerbe und zahlreiche Weltmarktführer und globale Zulieferer prägen den Standort. Viele Unternehmen aus Südwestfalen sind deshalb auf verlässliche Lieferketten und funktionierende Verkehrswege angewiesen, die durch die Sperrung der Autobahnbrücke massiv eingeschränkt waren.
Eine einzige fehlende Brücke führte dazu, dass elementare Wege innerhalb der Region nicht mehr durchgängig befahrbar waren. Ortschaften wurden täglich von erheblichem Umleitungsverkehr belastet, für Pendlerinnen und Pendler verlängerten sich die Fahrzeiten teils drastisch, und viele Betriebe sahen sich mit Verzögerungen, Mehrkosten und erheblichen logistischen Einschränkungen konfrontiert. Die Sperrung der A45 führte zu erheblichem Ausweichverkehr auf Landes- und Bundesstraßen. Um die stark belasteten Strecken zu entlasten, hat Straßen.NRW gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort für 2026 ein Bauprogramm mit 14 Maßnahmen aufgelegt. Das Sonderprogramm Südwestfalen umfasst die Sanierung von insgesamt 124 Streckenabschnitten in der Region. Auch die überregionale Erreichbarkeit Südwestfalens war eingeschränkt, was sich spürbar auf wirtschaftliche Abläufe auswirkte. Mehr als eine Million Euro Schaden entstand in Südwestfalen täglich – eine Zahl, die die Auswirkungen der Brückensperrung auf drastische Art greifbar macht. Mit der Wiedereröffnung der Brücke endet diese Phase nun. Die Region ist wieder vollständig verbunden – Menschen, Arbeitswege, Unternehmen, Märkte und ganze Wertschöpfungsketten können sich wieder frei bewegen.
„Geht doch“: Ein typisch südwestfälischer Ausdruck wird zum Symbol der Erleichterung
Zur Eröffnung setzt Südwestfalen bewusst ein Zeichen und lässt einen Lkw mit der Aufschrift „GEHT DOCH.“ über die neue Brücke fahren. Dieser Ausdruck ist mehr
als ein humorvoller Kommentar – er spiegelt die Mentalität der Region wider. „Geht doch“ steht in Südwestfalen für eine Haltung, die sich durch Pragmatismus, Beharrlichkeit und lösungsorientiertes Anpacken auszeichnet. Es bedeutet, nicht aufzugeben, Krisen pragmatisch zu meistern und am Ende festzustellen, dass sich große Anstrengungen gelohnt haben. Die Region sieht diesen Moment als Beweis dafür, dass Zusammenarbeit, Geduld und Konsequenz Ergebnisse schaffen. Besonders auf der Heckseite des Lkw zeigt sich mit einem Augenzwinkern, was die infrastrukturelle Wiederanbindung der Region Südwestfalen mit ihrer besonderen Wirtschaftskraft auch bedeutet: „Brückenwind für Deutschland“. Eine begleitende Webseite formuliert dazu unter https://geht-doch.com die Haltung der Region und zeigt, wofür Südwestfalen steht. Hinter der Aktion versammelt haben sich wesentliche Akteure der Region: Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer, Straßen.NRW, die IHK Arnsberg, die IG Metall Märkischer Kreis, der Märkischer Arbeitgeberverband ebenso wie der Arbeitgeberverband Lüdenscheid, zudem die Stadt Lüdenscheid und das Wahrzeichen Lüdenscheids: Die Phänomenta. Diese und weitere Partner möchten gemeinsam mit der Südwestfalen Agentur GmbH ein starkes Zeichen in die Region und darüber hinaus setzen.
„Die gesamte Region und insbesondere die direkt betroffenen Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen haben unter der Brückensperrung auf der A45 gelitten“, so Thomas Grosche, Aufsichtsratsvorsitzender der Südwestfalen Agentur GmbH. „Nun ist es endlich soweit und dank der gemeinsamen Bemühungen in Südwestfalen erfolgt die Brückenfreigabe eher als ursprünglich geplant. Geht doch! Und das ist hoffentlich ein gutes Beispiel für weitere wichtige Infrastrukturprojekte, die zwingend folgen und effizient umgesetzt werden müssen.“
Neustart für Mobilität und Zukunftsfähigkeit
Die Wiedereröffnung der Brücke markiert einen Wendepunkt. Sie stellt nicht nur die wichtigste Nord-Süd-Verbindung Südwestfalens wieder her, sondern stärkt
nachhaltig die Mobilität, die wirtschaftliche Stabilität und die Zukunftsfähigkeit der gesamten Region. Pendlerinnen und Pendler können wieder verlässlich planen, Unternehmen profitieren von stabilisierten Lieferketten, und die überregionale Anbindung gewinnt deutlich an Qualität.
„Stillstand überwunden! Die Wirtschaft und Bevölkerung in Südwestfalen atmen auf. In Rekordzeit wird nun ein erster Brückenteil freigegeben – den Prophezeiungen zum Trotz wurden alle Wege geebnet, um diese Leistung möglich zu machen“, sagt Johannes Huxol, Vorsitzender des Vereins „Wirtschaft für Südwestfalen“ mit über 400 Mitgliedsunternehmen. „Deutschland kann – wenn es will und sich konsequent auf Problemlösungen fokussiert. Dann wird Bürokratie überwunden, Kreativität entfacht und Spitzenleistung erbracht. Danke an alle, die das möglich gemacht und damit ein Beispiel für zukünftige Projekte gegeben haben.“
Mit diesem Tag beginnt für Südwestfalen eine neue Phase: Die Region ist wieder durchgängig erreichbar – und kann nach vier Jahren Belastung nun endlich wieder durchatmen. Oder, wie man hier sagt: Geht doch.

Visualisierung des neuen „GEHT DOCH.“-Lkw, der zur Brückeneröffnung über die Rahmedetalbrücke fahren wird.
Foto: Südwestfalen Agentur GmbH
