Wilhelmine-Hövener-Stiftungspreise 2026

Brilon. Mtt einer besonderen Ehrung sind Laurin Ledebur, Lennard Vornefeld und Leonhard Mehler vom Gymnasium Petrinum für ihre herausragenden Forschungen zur Regionalgeschichte ausgezeichnet worden.

„Anlässlich der Verleihung des Wilhelmine-Hövener-Stiftungspreises 2026 durch die Stiftung Briloner Eisenberg und Gewerke – Stadtmuseum Brilon für Studierende, Schülerinnen und Schüler, die durch schriftliche Projektarbeiten, Facharbeiten oder Hausarbeiten mit regionalkulturellem Bezug gute Leistungen erbrachten, haben die Briloner Museumsstiftung und der Briloner Heimatbund – Semper Idem Sie hier und heute zur diesjährigen Preisverleihung Haus Hövener eingeladen“, begrüßte Winfried Dickel die zahlreichen Gäste: „Einen passenderen Ort wie diesen kann es dafür nicht geben. Wilhelmine Hövener, einst selbst Lehrerin am Gymnasium, ist durch ihre vielen Schenkungen unsterblich geworden. Das Haus Hövener, heute unser Stadtmuseum, ist ein Beispiel dafür. Wir verleihen deshalb seit fünf Jahren rund um den Geburtstag von Stifterin Wilhelmine Hövener diesen Stiftungspreis.“

Begeistert von den eingereichten Arbeiten zeigte sich Museumsleiter Carsten Schlömer: „Es sind schon Leistungen, die hier und heute, von mehreren Stiftungen gefördert, gewürdigt werden.“ Dann wandte er sich persönlich an die drei Schüler: „Ihr habt euch mit drei vollkommen unterschiedlichen Themen beschäftigt und eure Arbeit ist eine Herausforderung, kein einfacher Griff in ein Geschichtsbuch, sondern viel Recherche.“

Die Arbeiten im Überblick

Das Thema von Laurin Ledebur lautet „Stiller Widerstand? Eine Analyse des Handels von Elisabeth Föckeler“. Er beschäftigte sich mit der Leidensgeschichte einer Briloner Jüdin zur Zeit des Nationalsozialismus. Herausragend ist seine Arbeit, da er sich mit Quellen und Erinnerungen aus dem eigenen Umfeld seiner Familie (Föckeler) beschäftigte. Er musste sich also immer wieder mit dem Spannungsverhältnis von persönlicher Erinnerung und den historischen Fakten auseinandersetzen. Dies gelang ihm auf eine quellenkritische Art und Weise. „Eine besondere Herausforderung für mich war es, genau das Richtige herauszufinden, was an Erzählung mit nachvollziehbarer Dokumentation übereinstimmt“, erklärte Laurien Ledebur: „Eine Motivation war es auch, über die eigene Familiengeschichte in Person von Elisabeth Föckeler zu schreiben.“

Einen ganz anderen Schwerpunkt setzte Lennard Vornefeld. „Vom Pferdepflug zum Smart Farming – Wie sehr hat der Einfluss von Flurbereinigung und Aussiedlung den landwirtschaftlichen Strukturwandel Brilon geprägt?“ lautet der Titel seiner Arbeit. Lennard beschäftigte sich mit den Agrarreformen infolge der Briloner Aussiedlungen verschiedener Höfe ab den 1950er Jahren. Hierbei war die Herausforderung, aus einer Vielzahl von einzelnen Quellen ein Gesamtresümee zu erstellen. Vor allem die Varianz seiner Quellen aus Dokumenten, persönlichen Erinnerungen, oder Interviews war bemerkenswert, stellte eine Herausforderung dar und konnte nur mit einem distanzierten Blick zu einem Ergebnis führen. Das unterstrich Lennart Vornefeld mit den Worten: „Ich habe eine ganz andere Sicht aus der heutigen Zeit auf die vorhandenen und viele unterschiedlichen Quellen. Mein Großvater und mein Vater waren ja damals involviert und da war es für mich besonders reizvoll, genau darüber zu schreiben.“

Die Arbeit von Leonhard Mehler beschäftigt sich mit Schulrat Josef Althoff: Ein Beispiel für den mutigen Einsatz für Demokratie und Freiheit? Leonhard warf einen Blick in die Zeit der Weimarer Republik und des frühen Nationalsozialismus, 1930 bis 1939. Dabei widmete er seine Arbeit einem Thema, das bis dato regional nur selten erschlossen wurde. Welche Auswirkungen hatte der Nationalsozialismus für die Schulstrukturen in Brilon und im Sauerland? Er stellte fest, dass Althoff kein ideologischer Parteigänger war, sondern dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber eingestellt blieb. Dazu erklärte Leonhard Mehler: „Es war eine Herausforderung, die verschiedenen Quellen so zu strukturieren, um zu finden, wie ich eigentlich herangehen muss. Althoff war eine Person, die nicht so bekannt ist, und durch verwandtschaftlichen Besuch, der ihn kannte, ist dadurch ein Anstoß entstanden.“

Bedeutung des außerschulischen Lernorts

Begeistert zeigte sich Andreas Westerwinter, seit dem Frühjahr Leiter des Briloner Gymnasiums: „Das Museum als außerschulischer Lernort ist eine gute Verbindung zum Gymnasium. Die Teilnahme an so einem Wettbewerb ist eine Einladung, nachzufragen, zu hinterfragen und Ausdauer zu zeigen. Respekt seitens der Schule zu so einer Aufgabe. Die Themen von euch drei zeigen den Bezug zur lokalen Geschichte. Ich hoffe, dass es noch lange bestehen bleibt, dass Schüler auch den außerschulischen Lernort unter fachlicher Begleitung dem Thema Geschichte widmen können. Es sind wertvolle Dinge, die da entstehen.“

Brilons Bürgermeister Dr. Christof Bartsch, der in seinen ersten zwei Schuljahren als „Pennäler“ selbst noch bei der eigentlich schon längst pensionierten Lehrerin Wilhelmine Hövener Unterricht hatte, fand passende Abschlussworte: „Wilhelmine Hovener hat nicht nur Fachlichkeit, sondern auch Menschlichkeit vermittelt – darum auch das Haus als heutiges Museum als Erbe. Entstanden ist dadurch eine Bildungskooperation seit zehn Jahren, um Schüler und Schülerinnen an die Forschung und Wissenschaft heranzuführen. Wichtig ist nicht nur, auf digitale Werke zurückzugreifen, sondern das, was hier historisch auf regionalem Grund passiert ist, aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Herzlichen Glückwunsch an euch drei, dass ihr das Erbe von Wilhelm Hövener dadurch geehrt habt.“

Bri Stiftungspreis26

Ausgezeichnete Leistung: Die drei jungen Briloner sind stolz auf ihre Werke.

Foto: Manfred Eigner