Teilnehmer des ersten Briloner Alpha-Kurses berichten

Brilon. Eine fröhliche und gelöste Atmosphäre prägt das Treffen der zehn Menschen. Sie versammeln sich um einen Tisch, reichen sich selbst gebackenes Brot und andere, teils hausgemachte, Leckereien an, essen, lachen – und erzählen. Erzählen davon, wie die vergangenen Wochen für sie waren, was sie bewegt hat, mitzumachen, und wie es ihnen jetzt geht. Sie haben gemeinsam an einem Alpha-Kurs teilgenommen, initiiert von einem Gemeindemitglied der katholischen Kirche in Brilon, Heinz Schlagner.

Austausch und Begegnung

Zehn Abende haben sie miteinander verbracht, wie die Jünger Jesu zusammen am Tisch gesessen und gegessen, Impulsfilme gesehen und darüber gesprochen, wie man im Alltag dem Glauben (wieder) näherkommt beziehungsweise wie man in seinem persönlichen Leben Gott begegnen kann. Den Abschluss feiern sie mit einer zweitägigen Wochenendveranstaltung. Das Kernthema ist der Heilige Geist.

Dieser ist für viele Christen das vielleicht am schwersten greifbare Element der göttlichen Trinität. Gott der Allmächtige, Jesus als dessen menschgewordener Sohn – das alles ist vorstellbar und durch die vielen Geschichten in der Bibel bildhaft geworden. Aber der Heilige Geist? Welche Bedeutung hat er? Vielleicht deshalb steht er am Ende der spirituellen Reise von Alpha.

Nach dem Einstiegsfilm am Abend und einer Andacht in der Kirche werden die Kursteilnehmer sich am Folgetag diesen Fragen in vier weiteren Themenfilmen und intensiven Gesprächen annähern, sich darüber austauschen und – so wie bei den anderen Treffen zuvor – erfüllt und bereichert nach Hause gehen.

Bei den meisten Teilnehmern gibt es eine religiöse Basis, gelegt oft in der Kindheit und Schulzeit, aber vieles ist im Laufe der Jahre verschüttet und durch die Anforderungen des Alltags überlagert worden. Fragen blieben so unbeantwortet – ja, häufig nicht einmal gestellt.

Die einen sind durch Freunde auf das Angebot aufmerksam geworden, andere haben davon in der Zeitung gelesen – der SauerlandKurier hatte ausführlich vor dem Start berichtet – oder in der Gemeinde davon erfahren. Ein Paar hatte bereits zuvor an Alphakursen teilgenommen, sie sogar im privaten Umkreis selbst geleitet. Die Frage, warum dann noch einmal, beantworten sie mit einem Lächeln: Es gebe immer wieder Neues zu entdecken, das man vorher nicht gesehen hat.

„Vieles ist einem nicht bewusst“, sagt eine junge Frau, „oder man ist unsicher: Betet man richtig?“ Sie habe Klarheit gewonnen, fühlt sich in ihrem Glauben gefestigt und in ihren Werten und Moralvorstellungen bestärkt. Mitgemacht haben junge Paare, ebenso wie gestandene, durch das Leben bereits nachhaltig geprägte Menschen. Sie kommen aus Brilon, Olsberg, Bestwig und Meschede.

Eine Gemeinschaft wächst zusammen

Über den langen Zeitraum – der Kurs startete im April – haben sie sich kennengelernt und sind sich nähergekommen. Sie sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, in der man sich vertraut, auch Persönliches mitteilt, in der Gewissheit, dass es in diesem Kreis bleibt und nicht nach außen getragen wird.

Wenn einer mal zu einem Treffen nicht kommen konnte, beteten die anderen für denjenigen, erzählten ihm später von dem Abend und schickten Links. Alle sind sich sicher, dass sie auch nach Ende des Kurses in Kontakt bleiben werden – auch das ist eine Intention des Kurses.

„Es geht nicht darum, dass wir, die vom Glauben brennen, anderen etwas überstülpen wollen. Aber es ist uns ein Anliegen, die selbst erfahrene Liebe (Gottes) weiterzugeben“, hatte Schlagner bei der Vorstellung des Angebots erklärt. Das ist auch der Rote Faden der Impulsfilme: Menschen erzählen von ihren persönlichen Begegnungen mit Gott. Diese Beispiele machen Mut und stärken den eigenen Glauben, bestätigen die Teilnehmer. Geschichten veranschaulichen zudem Aussagen aus der Heiligen Schrift und machen neugierig.

Wie der Heilige Geist als Helfer in der Not, als der gerufene „Ermutiger des Herzens“ wirkt, habe er zum Beispiel erst anhand der Geschichte vom führerlos gewordenen Flugzeug verstanden, wo ein hilfloser Amateur von einem erfahrenen Piloten in einem anderen Flugzeug sicher zur Landung geleitet wird, sagt einer der Teilnehmer.

Dass die Beziehung zu Gott so persönlich ist, habe etwas Tröstliches und gebe ihm die Sicherheit, dass er auch beim Sterben nicht allein sein werde, sagt ein weiterer Teilnehmer. „Es kann das Leben verändern“, betont er, und die anderen nicken zustimmend. Etwas bodenständiger drückt es ein Dritter aus: „Man geht nie dümmer, als man gekommen ist.“

Die zehn Teilnehmer sind nicht die einzigen, die aus dem Angebot positive Erfahrungen mitnehmen. Über 24 Millionen Menschen weltweit haben schon an Alpha-Kursen teilgenommen. In diesem Jahr feiert Alpha, entstanden in Großbritannien, sein 30-jähriges Jubiläum. „In Brilon startet der nächste Kurs im September“, berichtet Schlagner.

Alphakurs26

Am vorletzten Kurstag trafen sich die Teilnehmer von Alpha in Bigge. Nicht alle wollten öffentlich fotografiert werden. In der Mitte Initiator Heinz Schlagner, dahinter Pastor Burkhard Sudbrock, die beide das Angebot moderiert haben.

Foto: Kristin Sens