Bigge. Jede Freundschaft beginnt anders. Im Fall von Georgia Petresis und ihrem „Fanklub Georgia – Team Liese“ mit TV-Zeitschriften und einem umgerissenen Regal. So geschehen vor drei Jahren in Olsberg. Georgia Petresis, 51 Jahre alt, kurzer brauner Wuschelkopf, glitzernde Augen und ein unglaublich ansteckendes Lachen, wohnt und arbeitet im Josefsheim in Bigge. Ihr Fanklub setzt sich zusammen aus Diethild Kreutzmann, Bianka Bendig, Kirsten Tüllmann und Doris Schrader. Die vier arbeiten in einem Olsberger Laden für Tabak und Bürobedarf und sind überzeugt, eine bessere Freundin als Georgia sei nicht zu finden.
„Fanklub Georgia, Team Liese“
Georgia ist gebürtige Olperin mit griechischen Wurzeln. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten möchte sie die Dinge für ihre Mitmenschen besser machen, und Hürden im Alltag abbauen. Sie ist überzeugt: „Selbst als kleines Rädchen kann ich etwas bewirken.“ Lange vor dem näheren Kennenlernen des Quintetts holte Georgia regelmäßig Zeitschriften aus dem Kiosk und lieferte sie frei Haus an die Bewohner des Josefsheims, die ihre Zimmer nicht so einfach verlassen können. In ihrer Freizeit engagiert sie sich im Stadtrat von Olsberg und in der katholischen Kirche. „Dabei bin ich nicht mal katholisch“, lacht sie. Was die Freundschaft der Fünf vertiefte, war Georgias Einladung zu einer Theateraufführung im Josefsheim, in der auch Georgia eine Rolle übernahm. Spontan gründete sich an dem Tag der „Fanklub Georgia – Team Liese“. Sie sorgten als perfekt ausgestatteter Fanklub, mit Plakaten und lauten Rasseln, für beste Stimmung und verdienten Applaus. Es herrscht Einigkeit: Georgia ist wunderbar, immer fröhlich, nie schlecht gelaunt. Es sei so unglaublich einfach, mit Georgia eine gemeinsame Welle zu finden. Und genau diese Fröhlichkeit strahlt das gesamte Damen-Quintett aus. Georgia gehört einfach dazu.
Da sind Nähe, Humor und viel Wärme
Für Georgia ist Freundlichkeit auch im Alltag Basis allen Umgangs. Ihr Konzept sei, sagt die gelernte Bürokauffrau, sie gehe auf die Menschen zu, frage, wie sie heißen, wie es ihnen gehe. Als Rollifahrerin sei sie schließlich auch gelegentlich auf Hilfe angewiesen und sehe, wenn es jemandem nicht gut gehe. Dorothea Schrage sagt, wenn Georgia das Geschäft betritt, verändere sich die Stimmung. „Dann geht die Sonne auf.“ Es sei kein spektakulärer Moment. Und doch sei es genau das, was ihre Freundschaft ausmache: das Gefühl, dass jemand da sei, der den Tag heller mache. Hier gibt es keinen Raum für Mitleid oder Distanz. Stattdessen sei zwischen ihnen Nähe, Humor und eine Wärme, die man nicht inszenieren könne.
Aber da war noch der Regal-Crash vom Anfang der Geschichte. Dorothea erzählt aus ihrer Sicht: „Georgia hat mit ihrem großen Elektrorollstuhl ein Regal heruntergerissen. Die Aufregung bei uns war sofort groß. Was machen wir jetzt? Wir kennen die Frau gar nicht. Und dann sagte ein Kunde, ach, das sei doch die hilfsbereite, immer fröhliche Georgia, die kenne doch jeder im Ort. Und das war’s dann.“ Georgia lacht bei der Erzählung ebenfalls: „Die Räder haben sich beim Drehen verfangen, unter einem Regal. Das habe ich aber nicht gemerkt.“ Und dann war es passiert, die Freundschaft war ganz einfach da. Vielleicht steckt darin die wichtigste Botschaft hinter dieser Geschichte über Freundschaft: Jede Begegnung und anlasslose Freundlichkeit bringen etwas Schönes in das eigene Leben. Es lohnt sich, die eigene Tür einen Spalt weit zu öffnen.

Georgia Petresis, vorn, sei ein ganz besonderer Mensch, nicht nur darüber sind sich ihre Freundinnen aus Olsberg, Diethild, Kirsten, Bianca und Doris, einig.
Foto: Christine Futter
