Kitas schlagen Alarm

Weniger Geld, Hilfskräfte, die sich vor acht Uhr sowie nach 15 Uhr um die Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren kümmern sollen, dazu steigende Kosten sowie die Sorge, dass ein- bzw. zweigruppige Kindertageseinrichtungen langfristig schließen müssen, da sie mit den aktuellen Kindpauschalen nicht mehr tragbar seien.

Die Leiterinnen und Erzieherinnen der katholischen Einrichtungen in der Gemeinde Bestwig sowie aus der Stadt Olsberg protestieren zusammen mit der Dorfgemeinschaft Elleringhausen gegen die Überarbeitung des Kinderbildungsgesetzes. Auf Plakaten, mit Hinweisen vor den Einrichtungen als auch auf Social Media zeigen sie ihren Unmut, weisen auf die Missstände hin und informieren die Eltern.
Mit Nachdruck sagen sie: „Wir sind sprachlos. Das System der frühkindlichen Bildung geht den Bach runter. Die Landesregierung betreibt mit dem Kibiz-Gesetz Realitätsverweigerung.“
Selbst der Elternbeirat aus Elleringhausen hat verschiedene Politiker angeschrieben und aufgezeigt, wo sie beim neuen KiBiz Entwurf noch Probleme und Herausforderungen sehen. Somit zeigen sie, dass der Gesetzentwurf allen große Sorgen bereitet.
Nachdem das System der katholischen Kindertageseinrichtungen bisher oft auf laute und kreative Art auf Missstände beim Kinderbildungsgesetz (KiBiz) aufmerksam gemacht hat, wird es nun still um die Kitas. Denn der aktuell im Landtag beratende Gesetzentwurf des KiBiz macht die Mitarbeiter und Eltern sprachlos. Die Mitarbeitervertretungen und Träger der katholischen Kindertageseinrichtungen im Erzbistum luden daher alle Kita-Teams und Eltern zu einer Beteiligung an einer Kampagnenwoche ein.
Groß ist die Sorge aller Betroffenen, denn die Landesregierung hat den Gesetzentwurf zur Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) beschlossen. Sie hat die Fortschreibungsrate gemäß Kibiz für das Kindergartenjahr 2026/27 auf ein Minus von 0,14 Prozent festgesetzt. Dadurch sinkt im kommenden Kitajahr die Kibiz-Pauschale, während die Kosten steigen.
Die Erzieherinnen aus der Gemeinde Bestwig stellen deshalb besorgt zahlreiche Fragen in den Raum: Wie sollen wir die Qualität unserer Arbeit halten? Wer kümmert sich gezielt um die Kinder während der Eingewöhnungsphase? Müssen wir von Kita zu Kita springen? Wie will der Träger das qualifizierte Personal halten? Wie sollen überhaupt noch die wichtigen Gespräche zwischen Tür und Angel mit den Eltern stattfinden können?
Diese und noch viele weitere beunruhigende Gedankengänge stehen im Raum, denn Mädchen und Jungen, die beispielsweise eine Sprachförderung benötigen, Verhaltensauffälligkeiten aufweisen oder Defizite haben, würden demnach zu kurz kommen. Aufgrund der geänderten Kernarbeitszeit fehle einfach die Zeit intensiv mit diesen Kindern zu arbeiten als auch mit den Eltern ausführlich zu sprechen. Helfer könnten die qualifizierte Arbeit der Fachkräfte während der Randzeiten nicht ableisten.
Deutlich sagen die Erzieherinnen der St. Andreas Kita Velmede, der Christkönig Kita Bestwig, der Kita St. Barbara Ramsbeck, der Kita St. Joseph Bestwig und der Kita St. Anna Nuttlar, dass die anspruchsvolle Arbeit nach dieser Gesetzesänderung nicht mehr zu realisieren sei. Die Kürzungen und Umstrukturierungen gingen komplett zu Lasten der Kinder, der Erzieherinnen als auch künftiger Generationen. Die Kindertagesstätten würden durch diese Kürzungen buchstäblich zu Kinderverwahranstalten mutieren.
„Es ist mit allem zu rechnen“, wird deutlich kommuniziert. „Wir machen uns riesengroße Sorgen um die Mädchen und Jungen in unseren Einrichtungen. Allein während der Eingewöhnungsphase brauchen die Kinder mütterliche Fürsorge und eine feste Bezugsperson, statt wechselnde Helfer in den frühen Morgenstunden.“
Die frühkindliche Bildung, die psychische Belastung, der mögliche höhere Krankenstand, die pädagogische Qualität der Arbeit, die Kita als Begegnungsstätte und wichtiger Treffpunkt in den Ortschaften sowie die steigenden Energie- und Reparaturkosten in den Einrichtungen als auch die Instandhaltung und Ausstattung der Gebäude mitsamt notwendigem Bürokratieabbau würde komplett auf Kosten von Kindern und Personal gehen.
Darum fordern die Protestteilnehmer eine Finanzierung, die alle Kosten abdeckt, damit die Kitas auch in Zukunft sichere und schöne Orte bleiben können.
Matthias Kerkhoff, Landtagsabgeordneter der CDU, sagt dazu: „Wir wollen die Betreuung für Kinder, Eltern, Beschäftigte und Träger verlässlicher machen. Viele Eltern erleben kurzfristige Gruppenschließungen oder eingeschränkte Öffnungszeiten als große Belastung, hier setzt die Reform an. Die Einführung von Kern- und Randzeiten soll Trägern mehr Flexibilität beim Personaleinsatz ermöglichen, ohne die Qualität abzusenken. Weiterhin werden neun Stunden Kernzeit pro Tag finanziert, die Mindestkernzeit beträgt fünf Stunden täglich. Die Flexibilisierung dient dazu, Schließzeiten zu reduzieren und den Alltag planbarer zu machen. Auch bei den Gruppengrößen bleiben die bisherigen Regelungen der Standard-Gruppengrößen bestehen. Eine begrenzte Überschreitung ist nur in klar definierten Ausnahmefällen möglich und unterliegt engen Vorgaben, wenn sie länger andauert. Dauerhaft größere Gruppen oder Qualitätsverluste sind ausdrücklich nicht Ziel der Reform. Gleichzeitig stärken wir die finanzielle Grundlage des Systems deutlich. Für die frühkindliche Bildung sind im Jahr 2026 rund 6,2 Milliarden Euro eingeplant, so viel wie nie zuvor. Zusätzlich werden ab dem Kita-Jahr 2027/28 jährlich 200 Millionen Euro für Transformationskosten bereitgestellt, bis ein neues, kindbezogenes Finanzierungssystem eingeführt ist. Bereits für das Kita-Jahr 2026/27 stellt das Land 200 Millionen Euro als Überbrückungsfinanzierung bereit. Darüber hinaus stehen 1,5 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung, die gezielt in den Ausbau und die Modernisierung der Betreuungsinfrastruktur fließen sollen. Künftig werden seitens des Landes jährlich mindestens 50 Millionen Euro zusätzlich gezielt in die Gewinnung, Ausbildung und Qualifizierung von pädagogischem Personal investiert werden.“

Kita2

Foto: Claudia Metten