Rosenkönigin Mechtild Heidrich übergibt ihr Paradies

Assinghausen. „In einem Garten ging das Paradies verloren, in einem Garten wurde es wiedergefunden.“ Mechtild Heidrich aus Olsberg-Assinghausen hat ihre eigene paradiesische Geschichte wie in einem Märchen gesponnen, nämlich die Geschichte ihres Rosenbogens, der seinen Ursprung im Jahr 1992 hat.

Die Entdeckung der Rosenliebe

„Kurz nach der Geburt unserer ersten Tochter Marie machten mein Mann Helmut und ich uns auf die Suche nach einem Fachwerkhaus, da wir das Landleben lieben“, berichtet Mechtild Heidrich von den Anfängen. „Am Ortsrand von Assinghausen fanden wir unser neues Heim mit einem großen Garten.“

Ein neuer Lebensabschnitt begann, ganz anders als ursprünglich geplant. Mechtild Heidrich hatte von 1977 bis 1981 Biologie und Textil auf Lehramt in Paderborn studiert, danach ihr Referendariat sowie eine weitere Ausbildung Ende der 80er-Jahre zur Programmiererin absolviert. Nach einigen Jahren in der Computerbranche zog sie es wieder zurück zur Biologie. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Fabienne 1995 war die zweifache Mutter hoch motiviert, kümmerte sich in der Freizeit liebevoll um ihren 1400 Quadratmeter großen Garten in Assinghausen. Das Gärtnern wurde zu ihrem großen Hobby, zuerst der Anbau von Gemüse und Kräutern für die eigene Küche, danach die Leidenschaft für historische Rosen. „In Bielefeld kaufte ich die ersten historischen Rosen für meinen Garten, da es diese bei uns nicht gab. Als die ersten Rosenstöcke blühten, war ich total von dem Duft begeistert“, schwelgt die Rosenexpertin in Erinnerungen, die seit den 90er-Jahren Mitglied der Deutschen Rosengesellschaft ist und über die Jahre mit ihren Rosen auf vielen Gartenmärkten präsent war. 

Assinghausen blüht auf

Es entwickelte sich eine tiefe Leidenschaft und Liebe zu den robusten Pflanzen. Mechtild Heidrichs Bekanntheitsgrad gedieh prächtig und reichte schnell bis weit über die Grenzen des Sauerlandes hinaus. Ihre Rosen fanden immer mehr Bewunderer, sodass im Juni 1996 schließlich die Idee reifte, die geliebten Rosen direkt im Garten zu verkaufen, der ein Jahr später unter dem Namen „Rosenbogen“ eröffnet wurde.

Als Insidertipp im gesamten Westfälischen Raum gehandelt, zog er immer mehr Rosenliebhaber an und begeisterte gleichzeitig die Bewohner von Assinghausen. Auf der 700-Jahrfeier des Ortes präsentierte sich der Garten in seiner ganzen Pracht, wodurch im November 2000 der Rosenverein Assinghausen mit anfangs 13 Mitgliedern gegründet wurde. Nur ein Jahr später wurde in Mechtilds Garten, in dem neben den vielen Rosensorten inzwischen auch Begleitstauden, Clematis und Gartenaccessoires angeboten wurden, das erste Rosenfest veranstaltet. Ein riesengroßer Erfolg, der die ehemalige Lehrerin buchstäblich zur Rosenkönigin werden ließ, und alle zwei Jahre seine Fortsetzung fand. 2007 erlangte Assinghausen dann den Titel „Rosendorf der Deutschen Rosengesellschaft“.

Ein neues Zuhause für das Rosenparadies

„Gleichzeitig bekam der Rosengarten aber massive Probleme. Er war so bekannt, dass die Landfrauen, Busgruppen und Rosenliebhaber über 100 Kilometer fuhren, um ihn zu besichtigen. Wir hatten keine Kapazitäten mehr, nicht genügend Parkplätze und es bestand keine Möglichkeit, zu expandieren“, ergänzt die Rosenliebhaberin. Eine Lösung musste also her. Der Gedanke, als Familie umzuziehen, war schnell vom Tisch, denn es ergab sich die perfekte Möglichkeit, das gesamte Rosenparadies umzusiedeln. Der Pächter der alten Gutsschenke von Schloss Bruchhausen ging und Mechtild Heidrich konnte die traumhafte Location übernehmen. „Hubertus Freiherr von Fürstenberg fand die Idee einer Kooperation gut. So wurde 2009 das Rosencafé zusammen mit einem kleinen Lädchen (Rose-Cottage) eröffnet und der Rosengarten im alten Apfelhof des Schlosses mit Verkauf und bewährter Beratung angelegt “, erzählt Mechtild Heidrich weiter, die im September 2010 mit dem Sauerländer Initiativpreis für ihre herausragende Arbeit ausgezeichnet worden ist. 

Ausbau und Auszeichnungen

Mit viel Liebe zum Detail baute die Blumenexpertin seitdem ihr Rosenparadies weiter aus, eröffnete 2010 das Bed & Breakfast, damit auch Wanderer und Gartenliebhaber auf dem wunderbaren Fleckchen Erde zur Ruhe kommen können. Als besonderes Highlight wurde schließlich am 7. Juli 2013 eine robuste und bienenfreundliche Rose aus dem Hause Kordes auf den Namen „Weg der Sinne“ getauft, die gleich mehrere Zielgruppen erreicht: Die Garten- und Rosenliebhaber sowie die Wanderfreunde vom Rothaarsteig.

Weitere Auszeichnungen und Gütesiegel schmücken seitdem den blumigen Weg von Mechtild Heidrich, die 2018 mithilfe von Leader-Fördergeldern ihren Rosengarten in einen Schaugarten mit verschiedenen Themenschwerpunkten umwandelte. Seitdem beinhaltet der Sauerländer Blütengarten einen Bauerngarten, einen Kneipp-Kräutergarten, einen Nektargarten und als Schwerpunkt den Rosengarten. Versehen mit Infotafeln ist der Lehrgarten ein Paradebeispiel für biologisches Gärtnern ohne Chemie.

Ein Abschied, der weitergeht

„Bereits seit den 90er-Jahren habe ich meine Rosen und Gärten ohne jegliche Chemie, umweltfreundlich und ressourcenschonend gehegt und gepflegt. Diesen Naturgedanken gab ich mit Freude an meine Kunden weiter“, so Mechtild Heidrich freudestrahlend. Sie ergänzt abschließend: „Am Sonntag, 15. Februar, ist es nun so weit. An dem Tag öffnet das Café in Bruchhausen zum letzten Mal seine Pforten unter meiner Leitung. Danach übergebe ich es in liebevolle Hände, an meine Nachfolgerin Lisa Weiß. Ganz weg bin ich aber nicht. Ein paar Stunden wöchentlich arbeite ich weiter. Ab dem 28. März 2026 zur Saisoneröffnung findet man mich wieder. Wo? Natürlich im Garten.“

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Rosenliebhaberin Mechtild Heidrich und Lisa Weiß blicken zuversichtlich in die Zukunft und genießen den Charme des Fachwerkhauses

Bild oben: Für Mechtild Heidrich sind Rosen ihre große Leidenschaft und ihr Garten ein Paradies.

Fotos: Claudia Metten