Sechs Jugendliche der Jugendhilfe Olsberg wagten ein außergewöhnliches Abenteuer: Eine Woche lang durchquerten sie gemeinsam mit drei pädagogischen Begleitern die abgeschiedene Wildnis der norditalienischen Alpen im Val Grande. Abseits der Zivilisation, nur mit Karte, Kompass und schwerem Rucksack, bewältigte die Gruppe anspruchsvolle Etappen, überquerte Grate und legte täglich hunderte Höhenmeter zurück.
„Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen“, zitiert Cedric Löwe, Erlebnispädagoge bei der Jugendhilfe Olsberg, eine Textpassage aus „Der Hobbit“ von J.R.R. Tolkien, als er sich an die Wanderung in den norditalienischen Alpen erinnert. Selbstredend mussten sich die Jugendlichen und ihre erwachsenen Begleiter bei ihrem Abenteuer nicht mit Orks, Riesenspinnen und anderen Fantasiewesen messen, doch wie die Gemeinschaft bei Tolkiens Geschichten setzte die Olsberger Gruppe auf Teamgeist, ihre eigenen Stärken und bewältigte täglich neue Herausforderungen. Die Idee der Jugendhilfe bei diesem Projekt: Junge Menschen stärken und Europa ein Stück näher zusammenführen.
Eine Tour voller Höhen und Tiefen
Die Nächte waren kurz, der Boden hart, die Rucksäcke schwer – dennoch meisterten die Jugendlichen die Etappen mit Teamgeist, Humor und Durchhaltevermögen. Nach dem Frühstück mit Porridge und Nüssen starteten sie jeden Morgen in neue Bewährungsproben, die ihnen nicht nur körperlich, sondern auch mental einiges abverlangten. Die Tageswanderungen führten über steile Grate, durch Wälder und endeten oft erst nach langen Abstiegen im Tal. Begegnungen mit Wildtieren wie Gämsen und Hirschkühen sowie die Aussicht auf türkisfarbene Flüsse sorgten für unvergessliche Momente.
Dass die Gruppe manchmal an ihr Limit kam, weiß der Erlebnispädagoge nur zu gut und gibt einen kurzen Einblick in eine der Tageswanderungen, die die Olsberger vom Biwacco Bocchetta di Campo, einer verlassenen Hirtenhütte auf knapp 2000 Höhenmetern, über unzählige Höhenmeter, entlang einer Hängebrücke zum nächsten Schlafplatz in einer Partisanenhütte führte. „Obwohl die Aussicht immer wieder Euphorie und gute Laune erzeugt, ist die Stimmung gegen Nachmittag an einem Tiefpunkt angelangt. Auch wenn alle der teilnehmenden Jugendlichen freiwillig dabei und auf die Wanderungen vorbereitet sind, die Füße schmerzen, der Rucksack wird schwer, die Hitze macht ordentlich zu schaffen. Auch Ablenkung von der Anstrengung durch Singen oder Rätsel scheint aussichtslos. Also legen wir eine größere Pause ein.“ Doch trotz des ein oder anderen „Wehwehchens“ rafften sich die Abenteurer stets auf, und so manche Erfrischung im See „ließ die Laune aller Erschöpften wieder aufblühen“.
Neben der körperlichen Anstrengung standen Lerninhalte wie Orientierung mit Karte und Kompass, Wetter- und Naturkunde, ausgewogene Ernährung und das Wahrnehmen eigener Grenzen im Mittelpunkt. Auch das soziale Miteinander wurde intensiv gefördert – sei es beim gemeinsamen Kochen, Spielen oder in Gesprächsrunden. Am Ende blickte die Gruppe stolz auf eine Woche voller Höhen und Tiefen zurück. Trotz schmerzender Füße und Erschöpfung überwog die Euphorie.
So geht es weiter
„Der Berg ruft“ – das soll auch in diesem Jahr 2026 wieder das Motto der Jugendhilfe sein. Aufbauend auf der Wildnistour im Val Grande entsteht ein neues Projekt mit dem ambitionierten Ziel, den europäischen Fernwanderweg „Walk of Peace – von den Alpen bis zur Adria“ etappenweise zu bewandern. „Wir möchten jungen Menschen durch unser erlebnispädagogisches Projekt ‚Wandern für den Frieden‘ ermöglichen, in der Stille der Berge ihren Mut zu entdecken, im Miteinander ihre Stimme zu finden und in der Weite der Natur zu spüren, dass jeder Schritt zählt“, so die Initiatoren. Die Tour soll in den Herbstferien stattfinden und richtet sich an sechs bis acht Teilnehmer ab zwölf Jahren.
Ein solcher Trip stemmt sich natürlich nicht von selbst, daher hofft die Jugendhilfe Olsberg auf Unterstützer: „Damit junge Menschen über mehrere Jahre hinweg wachsen können, brauchen wir finanzielle Sicherheit. Pro Jahr benötigen wir etwa 10.000 Euro für Verpflegung, Unterkünfte, Honorare für Guides und vieles mehr.“ Das gesamte Projekt ist auf rund fünf Jahre ausgelegt – „eine Reise, die trägt und verändert“.
Spendenkonto:
Pax-Bank für Kirche und Caritas, IBAN: DE16 3706 0193 1053 1460 03 Verwendungszweck: Wandern für den Frieden 2026

Sechs Jugendliche der Jugendhilfe Olsberg wagten ein außergewöhnliches Abenteuer in den Alpen
Foto: Jugendhilfe Olsberg
