Heimische Waldbesitzer setzen sich für den „Zukunfts-Wald“ ein

Antfeld. Klimawandel, Borkenkäfer, Trockenheit: Für die meisten sind das nur Schlagworte. Für die heimischen Waldbesitzer hingegen sind diese Begriffe Alltag – und eine echte Herausforderung, der sich die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Elpe-Negertal sowie die Waldgenossenschaften Olsberg und Antfeld gemeinsam stellen.
Die drei Waldbesitzervereinigungen vertreten zusammen rund 1.850 Hektar forstlicher Flächen. Wie in vielen anderen Regionen des Sauerlands haben auch die heimischen Waldbesitzer mit dem Borkenkäfer zu kämpfen: Rund 30.000 Festmeter Holz wurden im Jahr 2020 eingeschlagen, im Jahr 2021 sind es bislang 32.000 Festmeter Käferholz. Zum Vergleich: In „normalen“ Jahren beträgt der Einschlag im Schnitt nur 11.000 Festmeter pro Jahr.
„Wir wollen die Weiterverbreitung des Käfers möglichst eindämmen durch eine schnelle Abfuhr und eine saubere Waldwirtschaft“, beschreibt Herbert Wilmes, Vorsitzender der Waldgenossenschaft Antfeld, die Strategie der heimischen Waldbesitzer. Dafür arbeiten sie bei der Holz-Vermarktung mit hiesigen Sägewerken zusammen. Während 2020 noch große Holzmengen nach China gegangen sind, steht nun der heimische Raum im Blickpunkt.
„Unsere Strategie ist: Schnelligkeit und möglichst kurze Wege, aber kein Chemieeinsatz“
„Die heimische Sägeindustrie ist sehr aufnahmefähig“, weiß Alfons Hester, Vorsitzender der FBG Elpe-Negertal, „zudem gibt es auf dem heimischen Markt eine große Nachfrage nach Holzprodukten.“ Die Holzpreise präsentieren sich aktuell leicht verbessert. Da vor Ort genügend Lkw zur Verfügung stehen, kann auch das Holz schnell abtransportiert werden. Im „Kampf mit dem Käfer“ ist das ein Pluspunkt, erklärt Bernd Pape, Vorsitzender der Waldgenossenschaft Olsberg: „Unsere Strategie ist: Schnelligkeit und möglichst kurze Wege, aber kein Chemieeinsatz.“ Den Winter haben die Waldbesitzer auch genutzt, um erhebliche Durchforstungen im Laubholzbereich durchzuführen. Die Laub-Sägeindustrie ist aktuell nur gering ausgelastet, die Preise sind stabil. Dabei wurden auch die ersten durch die anhaltende Trockenheit leidenden Buchen, Eichen und auch Eschen mit entfernt.
135.000 Bäume gepflanzt 
Neben der Schadensbeseitigung steht für die heimischen Waldbesitzervereinigungen ebenso die Zukunftsplanung ganz oben auf der Agenda: Allein im Frühjahr 2021 wurden im Forstbetriebsbezirk Olsberg rund 135.000 junge Bäume in einem Alter von ein bis drei Jahren gepflanzt. Im Bereich des Laubholzes kamen dabei vor allem Buche, Traubeneiche, Roteiche, Esskastanie, Erle, Winterlinde, Vogelkirsche, Elsbeere, Baumhasel, Schwarznuss und Flatterulme zum Einsatz, bei den Nadelbäumen Douglasie, Weißtanne, Lärche, Küstentanne, Schwarzkiefer, Edeltanne, Hemlocktanne und Lebensbaum. Dafür haben die Waldbesitzer Fördergelder in Höhe von rund 51.000 Euro beantragt. Das Wetter spielte ihnen bei der Aufforstung in die Karten: „Durch die im Vergleich zu den drei Vorjahren wieder günstigere Witterung konnte von Ende Januar bis Anfang Mai gepflanzt werden – mit kleineren Schneeunterbrechungen“, erläutert Herbert Wilmes.
Fachkundige Beratung wichtig
Wichtig: Für eine sinnvolle Wiederaufforstung sind Pflanzen notwendig, die zum jeweiligen Standort passen. Wichtig ist deshalb eine fachkundige Beratung, betont Alfons Hester: „Man trifft hier Entscheidungen für viele Jahrzehnte, denn der angestrebte klimastabile Wald erfüllt die vielfältigsten Funktionen für uns alle.“ Ausdrücklich danken die Waldbesitzervereinigungen dem Forstamt Soest-Sauerland mit seinem Leiter Edgar Rüther sowie insbesondere Revierförster Thomas Wullenweber. Bernd Pape: „Nicht nur der große Erfahrungsschatz und die Fachkenntnis helfen weiter, sondern vor allem auch die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit.“
Neben den Aufforstungen setzen die Waldbesitzer in den Revieren auf Naturverjüngung mit Fichte, Birke, Eberesche und anderen Arten. Das Ziel: „Es sollen Kulturen mit fünf bis acht verschiedenen Baumarten entstehen“, so Herbert Wilmes. Dabei hat auch die Fichte einen wichtigen Anteil – „aber eben an geeigneten Standorten und nicht mehr in Monostruktur, sondern als Mischbaumart.“ Alfons Hester ergänzt: „So entsteht nicht nur ein klimastabilerer Wald, sondern er wird auch optisch ansprechend sein.“
Heimische Waldbesitzer brauchen Unterstützung von vielen Seiten
Allerdings: Auf dem Weg zum „Zukunfts-Wald“ brauchen die heimischen Waldbesitzer Unterstützung von vielen Seiten. Eine davon ist die Jägerschaft, weiß Bernd Pape: „Aufforstungen in diesem gigantischen Ausmaß werden ohne den nötigen Schutz vor Wildverbiss und Fegen der Bäume nicht möglich sein.“ Die Waldbesitzer selbst leisten durch den Bau von Wildgattern oder Einzelschutz dazu ihren Beitrag: Acht Hektar Jung-Wald wurden bislang gegattert. Für die durch Borkenkäfer und den damit einhergehenden Preisverfall beim Rohholz gebeutelten Besitzer ist das eine weitere finanzielle Kraftanstrengung – die nicht durch mögliche Fördermaßnahmen abgedeckt ist. Deshalb freuen sich die Vereinigungen, wenn sich die Jägerschaft durch erhöhten Abschuss aktiv am Schutz der kleinen Pflanzen beteiligt.
„Die allermeisten der neuen Baumarten sind zugleich wahre Delikatessen für das Rehwild“, betont Herbert Wilmes. Deshalb appellieren die heimischen Waldbesitzervereinigungen an alle Jagdausübenden, durch eine gezielte Steuerung der Bejagung ihren Beitrag zum Schutz der jungen Pflanzen zu leisten. Und heimisches Wild auf dem Teller sei gerade in Zeiten von „Billig-Fleisch“ ein wichtiges Zeichen, erklärt Alfons Hester. „Hier haben wir ein in höchstem Maße ökologisch verträglich erzeugtes Lebensmittel, das noch dazu ohne lange Transportwege auskommt, so Hester abschließend.

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Versuchen, den heimischen Wald zukunftsfähig neu aufzubauen: (v.l.) Herbert Wilmes, Bernd Pape und Alfons Hester.
Foto: Revier Olsberg

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