Ida Kropff-Federath, eine außergewöhnliche Frau

Ida Kropff-FederathIm Sauerlandkurier vom 26. Jan.2011 berichtete Jana Sudhoff unter dem Titel: „Ein Unikat aus Olsberg“ über die außergewöhnliche Olsbergerin Ida Kropff-Federath. Mit diesem, nachstehendem Artikel und den bisherigen Veröffentlichungen unter Olsberg-mittendrin „Historisches“ siehe Nr.8 von den 35 Stätten und 80 Jahre Waisenhaus Kropff-Federath Stiftung, 4 teilig, soll dieses Thema für unsere Leser abgeschlossen sein. Interessant wäre sicher ein Bericht über die weitere Entwicklung der Olsberger Hütte unter den neuen Eigentümern Brüning, Everken, Hövener ab 1920. Hierüber muss nachgedacht werden.

Ein Unikat aus Olsberg
Geschrieben von Jana Sudhoff, Sauerlandkurier

Mit Ihren ausgefallenen Kappen stechen die Olsberger Schützenbrüder im Sauerland ins Auge. Woher die Mützen stammen? Von Ida Kropff-Federath- das kann ein Olsberger Schütze meist sofort beantworten. Doch wer war die edle Spenderin? Wie war sie gestrickt? Das ist inzwischen beinahe untergegangen. Dabei war die Inhaberin der Olsberger Hütte eine vielseitige und faszinierende Persönlichkeit: eine Karrierefrau, eine Lebenskünstlerin, ein Mitglied der High Society und eine außergewöhnliche Wohltäterin. Kropff-Federathsche StiftungIhr Anwesen- heute die Kropff-Federath’sche- Stiftung (Jugendhilfe Olsberg) soll eine der Sehenswürdigkeiten auf dem geplanten Gewerkenweg werden. 1839 wurde Ida Brüning, eine Verwandte des Reichskanzlers Heinrich Brüning, in Brakel geboren. Nach dem Tod ihres ersten Ehemannes, dem Gewerken und Eigentümer der Olsberger Hütte Kaspar Kropff, wurde sie Alleininhaberin. Damit die Firma in einer Hand blieb, schloss sie- ganz die tüchtige Geschäftsfrau- ihre nächsten Verwandten (Geschwisterkinder) aus der Erbfolge durch Abfindungen aus. Auch ihr zweiter Mann, der Landrat Dr. Hans-Karl Federath musste seinen Erbverzicht erklären.Die kluge, dynamische und geltungsbewusste Olsbergerin hatte das Unternehmen ganz klar im Griff. „Das ist ein Unikat in der ganzen deutschen Wirtschaft, dass eine Frau so eine Firma führte“, sagte Edward Kersting, Mitinhaber der Firma Olsberg (Olsberger Hütte). „Das war damals die absolute Ausnahme und passt in die Emanzipationsgeschichte.“ Als Angehörige des Industrieadels konnte sie aus dem Vollen schöpfen und hat auch gerne auf großem Fuße gelebt. So hat sie etwa mit 70 Jahren den Wunsch geäußert, Fahrradfahren zu lernen. „Auf ihrem Anwesen wurde extra eine Halle gebaut, damit sie bei jeder Wetterlage üben konnte“, weiß Hobbyhistoriker Wilfried Rosenkranz. „Bei ihrem ersten Ausflug ist sie allerdings gestürzt und hat sich ein Bein gebrochen.“ Ida Kropff-FederathAuch genoss sie, die sich als „die Gnädigste“ anreden ließ, das Privileg, die Kirche zur Messe durch die Sakristei statt durch das Portal zu betreten. In einem kleinen Kästchen an der ersten Bank wurden ihre Bücher eingeschlossen.Die „große Welt“ stand Ida Kropff- Ferderath Dank ihres zweiten Ehemannesoffen, über den sich die Gerüchte halten, er sei der uneheliche Sohn von Otto von Bismarck. Nahrung bekam dies durch die Tatsache, dass Bismarcks Leibarzt aus Berlin auch Ida Kropff- Federath behandelte. Bei ihren Besuchen in Berlin war sie Gast im Bismarckschen Haus. Auch versorgte sie den Reichskanzler regelmäßig mit Zigarren. Gäste von Rang und Namen empfing die Unternehmerin auch selbst in ihrer Villa in Olsberg. Zum Beispiel: Prinz Max von Baden, Gouverneur von Metz und General von Oven. Ihren Horizont hat die Landrat-Gattin nicht nur durch ihre Kontakte zu den Berliner Regierungskreisen erweitert. Sie ging auch viel auf Reisen, galt etwa als Kairo- Fan. Durch ihre ungewöhnliche soziale Ausprägung fiel die Unternehmerin bereits zu Lebzeiten auf. So verdanken die Olsberger ihre St Nikolaus- Kirche ihrer Unterstützung. Ida Kropff- Federath hatte der Kirche unter anderem das Baugrundstück geschenkt. Auch kostenfreie Betten für arme Leute im Krankenhaus hatte sie eingeführt und Olsberger ins Haus geholt, wenn sie nichts zu essen hatten. Ihren Nachlass hat sie „bis zum letzten Hemd“ in einem Stiftungsvermögen mit vier Stiftungszwecken gebündelt. Aus ihrer Olsberger Villa wurde beispielsweise gemäß ihrer Verfügung ein Waisenhaus. Auch die Unterstützung ihrer in Not geratenen Arbeiter und deren Familien lag ihr sehr am Herzen. Wurden zu Lebzeiten viele Kinder in Olsberg auf den Namen Ida getauft, so wurde mit der Namenspatin 1918 „eine ganze Ära zu Grabe getragen“(Ausspruch bei der Beerdigung).Die Nachwirkungen: Die 188 „eigenwilligen“ Kappen- vermutlich den Studentenmützen der Burschenschaften nachempfunden- stiftete Ida Kropff- Federath 1895 dem Olsberger Schützenverein.

Bilder stellten zur Verfügung: Klemens Kordt und Wilfried Rosenkranz

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