Betriebsstätten aus vorigen Jahrhunderten im oberen Ruhrtal Olsbergs Teil 1

Betriebsstätten im oberen RuhrtalIn dieser mehrteiligen Stättenbeschreibung treffen wir immer wieder auf den Kernpunkt: „Wasserversorgung und Wasserrecht“. Der Verfasser möchte über die Stätten so berichten, wie sich die Zusammenhänge ergeben haben. So kann es durchaus sein, dass es nicht chronologisch geordnet ist.


Der Steinheller HammerMündung von Ruhr und Neger
Schon am 09.07.1799 hat Jonas Heinrich Körner aus Olsberg vor dem „Kurkölnischen Schöffengericht“ zu Brilon seine letztwillige Verfügung über sein großes Vermögen errichtet. Das Testament wurde 1807 eröffnet. Unter Kapitel fünf über sein Vermächtnis legt er unter anderem fest: Das „Peters“ Haus in Bigge (Solstätte Nr. 2) mit den dazu gehörenden Gütern und Gerechtigkeiten und dem Anteil am „Steinheller Hammer“ erbt Christoph Gerke, Bigge. Eine Abschrift dieses TLageplanestamentes besitzt der Verfasser des Buches: „Bigge im Strom der Zeit“, Herr K.H.Förster. Die Solstätte Nr. 2 stand dort, wo heute der Neubau „Bigger Hof“ steht. (zwischezeitlich Hotel Hellermann und Hotel Koch) Ein Steinheller Hammer wird im Jahre 1827 am Zusammenfluss von Ruhr und Neger gelegen genannt. Besitzer waren Comp. Kropff und Unkraut, vermutlich die Anteilseigner der Olsberger Hütte.

HammergrabenDer Thalhammer
Unterhalb der Carls – Aue stand der Thalhammer mit zwei Feuern. Als Eigentümer wurden im Jahre 1827 genannt: Comp. Kropff, Fr. Deimel aus Assinghausen, Lorenz Deimel und Franz Körner aus Elleringhausen. Dieser Thalhammer befand sich auf dem Gelände des heutigen Umspannwerkes des RWE, früher VEW, seit 1952. Zum Antrieb der Hämmer nutzte man die Wasserkraft von Ruhr und Neger. Der dafür erforderliche Wassergraben ist zum Teil heute noch  erhalten. Von den Staustufen im Flusslauf wurde das Wasser unter Ausnutzung des Geländegefälles durch so genannte Obergräben über das Wasserrad geleitet. Ein sehr starker Eichenbalken  war die Achse, mit Nocken versehen, welche den Hammer in Bewegung brachten.
Der Hammer wurde 26 -30 Wochen im Jahr betrieben, bei jedem Feuer wurden wöchentlich bis zu 18 Zentner Stabeisen geschmiedet.

Der Hofohrhammer, auch „Der Hohevohrhammer“ genannt
HofohrhammerAls Besitzer werden Kropff und Unkraut genannt, somit gibt es die Verbindung zur Olsberger Hütte. Andere Quellen nennen als Eigentümer Comp: Kropff und Wilhelm Bernhard Deimel aus Bigge. Zum Antrieb des Hammers wurde das Wasser der Ruhr und des Lake – Baches genutzt. Durch den Bau des Ausgleichweihers (Stausee)  sind die Wasserrechte für den Lake – Bach erloschen. Vor der Nutzung im Hammerwerk diente die Lake seit Urzeiten zur Bewässerung von 60 Morgen(150.000 m²) Wiesen. Im Jahre 1835 ist das Hammerwerk abgebrannt und wurde nicht wieder aufgebaut. Erhalten blieb das Steigerhaus und der Straßenname „Hofohrhammer“. In den folgenden zehn Jahren konnten die Mühlen ihr Wasserrecht störungsfrei nutzen, war ihnen durch den Wasserentzug für den Hammerbetrieb doch wirtschaftlicher Schaden entstanden. 1845 haben die Besitzer die alte beschädigte Wehranlage erneuert und vergrößert, dadurch wurde den Mühlen das ganze Wasser entzogen. Der daraus resultierende Rechtsstreit endete vor Gericht mit einem Vergleich. Dieser Vergleich über die Wasserrechte wurde aber nicht rechtskräftig, da beide Hammerbesitzer vor der Unterzeichnung plötzlich verstarben.
HofohrhammerDie Nachfolger der verstorbenen Hammerbesitzer haben versucht, den Prozess weiter zu führen, sie hatten aber keinen Erfolg, denn nach dem Preußischem Wasserrecht vom 8.Februar 1843 durfte den Mühlen, die für das allgemeine Publikum Getreide zu mahlen hatten, das Betriebswasser weder geschmälert noch entwendet werden. Der Hofohrhammer hatte kein Gesetzliches Wasserrecht, vermutlich nur ein Privilegium. Da der Hammer nach dem Abbrand nicht wieder in Betrieb genommen wurde, ist das Wasserrecht für den Hammer erloschen. Ab 1838 gehört nun dem Mühlen – und Sägemühlenbesitzer Johann Vollmer und seinen Erben das Wasserrecht, für immer ein uraltes Besitzrecht. Nach  89 Jahren haben die Erben das Wasserrecht in einem Vertrag am 03.12.1927 an den Elektroverband Büren / Brilon zur allgemeinen Elektrischen Energiegewinnung überlassen, der Verband liefert dafür den Erben Vollmer dauernd freien Strom, solange die Wasserentziehung dauert. Sollte die Stromlieferung aufhören, so erhalten die Rechtsnachfolger ein gleichwertiges Wasserrecht zurück.
Hofohrhammer
Weitere Hammerwerke
Josef Roggenkamp nennt noch  einen „Brückenhammer“ an der Ruhr oberhalb Bigge, Eigentümer Kropff, Unkraut und Georg Meckel Bigge, des weiteren einen Zainhammer, einem Linhof aus Warstein gehörend. Er stellte hauptsächlich Band – Zain – und Gittereisen her, die Produktion wird mit  315 Wagen angegeben. Näheres ist mir von diesen Werken nicht bekannt. Über den Hammer an der „Knickhütte“ im Ortsteil Bigge sollte einmal extra berichtet werden.

Quellennachweis, auch für die noch kommenden Berichte zu diesem Bereich.
Texte:  Inhaltlich überwiegend von Willi Vollmer, Olsberg
Bilder: Willi Vollmer und Wilfried Rosenkranz

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