Wanderausstellung aus 100 Jahren Fotografie

Brilon. Minimalistisch, puristisch und strukturell klar: So präsentiert sich die Wanderausstellung „Neues Sehen – Neue Sachlichkeit. Fotografische Positionen in Westfalen vom Bauhaus bis heute“ des Landschaftsverbands Westfalen Lippe (LWL). Zu sehen sind die vorwiegend schwarz-weiß gehaltenen Impressionen aus 100 Jahren Fotografie im Museum Haus Hövener in Brilon.
Die Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen entstand in Kooperation mit dem Fotografen und Ideengeber Dieter Blase. Illustriert werden Fotografien vom frühen 20. Jahrhundert bis heute, von Architektur und Landschaft, die über die Stadtgrenzen Brilons hinausgehen. Damit werde, so Carsten Schlömer vom Haus Hövener, das Angebot kultureller Ausstellungen hin zu überregionalen Dimensionen geöffnet. 
Charakteristika aus ganz Westfalen sind in der Ausstellung wiederzuentdecken – diese reichen von architektonischen Ansichten aus Medebach über das Ruhrgebiet mit der Zeche Zollverein bis hin zur Rheinbrücke in Duisburg. Ebenso zu sehen sind Stillleben, Bilder mit Tiefenwirkung, in denen mit Zwei-, Drei- und sogar Vier-Dimensionalität gespielt werde, erklärt Dr. Ute Koch, wissenschaftliche Referentin beim LWL-Museumsamt. „Das Besondere sind die Überraschungsmomente der einzelnen Fotografien. Das Augenmerk liegt auf der Struktur des Sehens, indem Strukturelles auf den Bildern hervorgehoben wird. Bei manchen Fotografien erlebt man gewissermaßen sogar einen Moment des Durchschreitens, ein Spiel mit Raum und Zeit“, so die Kunsthistorikerin. 
Von "Bauhaus" bis Moderne
In drei Zeitabschnitten stellt die Ausstellung dar, wie sich die Fotografie in Westfalen zu einem eigenständigen künstlerischen Medium entwickelte – von der sogenannten „Bauhaus-Fotografie“ über die Nachkriegs- bis hin zur zeitgenössischen Fotografie versinnbildlicht sie Traditionslinien und Brüche gleichermaßen. 
Anlass und Ausgangspunkt der Ausstellung ist das hundertjährige Bestehen des Bauhauses, einer 1919 in Weimar gegründeten Hochschule. Die Bauhaus-Bewegung umfasste weit mehr als neue Architekturen, vom Kunstgewerbe bis zur Industriearchitektur, von Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Sehnsucht nach demokratischem Aufbruch. 
Der „Bauhaus-Stil“ zeichnet sich durch extreme Draufsichten und starke grafische, immer wiederkehrende Elemente aus. Die Fotografen des Bauhauses gingen damit neue Wege, wählten Nahaufnahmen, experimentierten mit Licht und nutzen sie als Stilmittel. International bedeutende Fotografen wie Otto Steinert oder Albert Renger-Patzsch, deren Aufnahmen unter anderem in der Wanderausstellung zu sehen sind, setzten neue Akzente – so zeichnen sich die „Ruhrgebietslandschaften 1927 bis 1935“ vor allem durch Detailgenauigkeit, Gegenstandstreue und eine präzise Beleuchtung der Objekte aus. 
„Mit der Ausstellung wollen wir den Blick dieser Fotografen dokumentieren: Wie nahmen sie die Umwelt wahr? Die Ausstellung soll das Verständnis für zeitgenössische Kunst und insbesondere für Stile und Themen zeitgenössischer Fotografie in Westfalen stärken“, sagt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, 
„Der LWL kommt damit seinem Auftrag nach, Kultur in die Fläche zu bringen und allen Menschen in Westfalen den Zugang zu kulturellen Angeboten zu ermöglichen“, ergänzt Gertrud Welper, stellvertretende Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung. 
54 Reproduktionen aus über 100 Jahren Fotografie, „vintage und modern prints“, werden durch Bücher und Zeitschriften in Vitrinen ergänzt. Ein Katalog vertieft die Themenbereiche und zeigt die einzelnen Werke der Ausstellung (beim LWL-Museumsamt erhältlich).
Die Ausstellung ist ab dem 19. Juli bis zum 13. September, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, im Museum Haus Hövener zugänglich.

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Machten einen ersten Rundgang durch die Fotografie-Wanderausstellung im Museum Haus Hövener: (v.l.) Winfried Dickel, Carsten Schlömer, Dr. Christof Bartsch, Ludger Imöhl und Dr. Ute Koch.
Foto: Jessie Kristen

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